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Foto einer verzweifelten Mutter | Nur zu Hause und trotzdem überfordert?
Nur zu Hause und trotzdem überfordert?

Nur zu Hause und trotzdem überfordert?




Anregungen zur Wiedererlangung der inneren Balance

 

Das erste Kind ist da und alles ist ganz anders, wie es sich die Eltern vorgestellt haben. Dazu kommt noch eine unendliche Müdigkeit in der ersten Zeit der Karenz. Scheinbar kommen Mutter und Vater zu gar nichts mehr, sind unglücklich und überfordert. Erwerbstätige Partner, Familie und Bekannte wundern sich, bei ihnen ginge das alles leichter, besser und schneller. Im zermürbenden Aushandeln um eine Halbe-Halbe Lösung bei Kinderbetreuung und Haushalt stoßen beide Elternteile schnell an ihre Grenzen, wenn ein Teil „nur zu Hause“ ist und der andere Teil erwerbstätig. Dann kommt es zu Schlussfolgerungen, wie: „er oder sie versteht mich nicht“, „das war anders vereinbart“ oder: „ich mache irgendetwas falsch“. Schon kommt zur Müdigkeit auch noch eine Beziehungskrise dazu und die innere Balance ist endgültig dahin. Wie kann Hausfrau oder Hausmann aus dem beschriebenen Muster ausbrechen und wieder in ein gutes inneres Gleichgewicht kommen?

 

Eltern werden ist eine Zeit von Veränderungen

Jede Frau, jeder Vater hat vor der Geburt des Kindes verschiedenste Vorstellungen davon, wie das Kind sein wird, wie die Interaktion zwischen den beiden Elternteilen ist und dem Kind und wie der Familienalltag aussehen könnte. Nach der Geburt ist zumeist alles ganz anders. Das erleben alle Eltern, schon allein deswegen, weil diejenigen, die sie einmal waren so nicht mehr existieren – sie sind jetzt auch Mutter und Vater. Alles was jetzt passiert, passiert unter anderen Vorzeichen als zuvor. Es gibt zwangsläufig eine Enttäuschung, die negativ, aber auch positiv gesehen werden kann. Eine Chance besteht darin, Wünsche und Erwartungen jetzt vor dem Vorzeichen des nun real existierenden Kindes und der aktuellen Situation neu zu entwerfen und damit den tatsächlichen Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht zu werden.

 

Aufgabenverteilung hilft Eltern und Kind

Dabei sollte besondere Aufmerksamkeit auf der Ermöglichung von Ruhezeiten liegen, denn mit Müdigkeit, einem Mangel an Intimsphäre und Hunger steigt automatisch die persönliche Verwundbarkeit. Kreativität ist hier erlaubt - „man kann doch nicht“ gilt nicht, denn Hausarbeit und Kinderbetreuungsarbeit darf zeitweise ausgelagert werden. Kein Gesetz der Welt schreibt bei unbezahlter, freiwilliger und mit Liebe getaner Arbeit die doppelte Arbeitszeit vor. Halbe-Halbe heißt für jeden insgesamt 100% und nicht für einen Elternteil 150%.

 

In der Karenz Zeit gezielt nutzen

Es gibt auch einen Unterschied zwischen zielgerichteter Aktivität beim Versorgen von Kindern und zielgerichteter Aktivität in den meisten beruflichen Situationen. Damit die Hauptbetreuungsperson sich als Elternteil kompetent fühlen kann und ihre Aufgaben ausgeglichen wahrnehmen kann, muss sie zumindest zeitweise mit dem Tempo und Rhythmus des Kindes im Einklang sein. Gleichzeitig ist es aber wichtig eine grobe Tagesstruktur zu wahren, wie regelmäßige Mahlzeiten, Spaziergänge oder Beziehungszeiten.

 

Die Hauptbetreuungsperson befindet sich oft in der paradoxen Situation, dass sie versucht für ihr Kind da zu sein und möchte, dass die überwältigende Bedeutung dessen, was sie da tut, anerkannt wird. Zugleich spürt sie aber, dass sie durch die Aufgabe oder zeitliche Reduzierung ihres Jobs jeden Anspruch auf den Respekt Erwachsener aufgegeben hat. Hinzu kommt auch die Angst durch zu frühe oder zu intensive Berufstätigkeit nicht präsent genug zu sein. Diese Spannung ist immer da und umso leichter zu ertragen, umso eher sie akzeptiert wird, und die eigene Zufriedenheit nicht vom Lob anderer abhängig gemacht wird. Die besten Mütter und Väter sind die, die gerade gut genug sind und noch besser sind die Glücklichen.

 

Regelmäßige Zeitaufzeichnungen geben einen Überblick über die tatsächlich geleisteten Arbeiten. Gleichzeitig bekommen die Partner auch eine Idee von den unsichtbaren und ungemessenen Tätigkeiten daheim. Sie bieten einen Anhaltspunkt für regelmäßige Neustrukturierung der Haushalts-, Erziehungs-, Erwerbsarbeit-, und Freizeiten. Vielfach muss das immer wieder neu angegangen und ausdiskutiert werden, denn die längere Zeit wurde nur vor dem Hintergrund der Erwerbsarbeitszeiten gedacht.

 

Im Austausch mit Gleichgesinnten in Eltern-Kind-Gruppen oder ähnlichen Foren ist es oft leichter, kreative Ideen zur Meisterung von anstrengenden Situationen zu bekommen, aber auch Anerkennung und Verständnis. Es ist leichter anzunehmen, dass das Kind oft schwierig und meist unberechenbar ist und nicht etwa wegen einer falschen Maßnahme unruhig ist, sondern aus seinem individuellen Temperament heraus.

 

Im Ringen um Strategien und Anhaltspunkte im Umgang mit dem Kind kommen oft Erinnerungen an die eigene Kindheit hoch. Wie z.B. das Verhältnis zwischen Mutter und Großmutter. Hier braucht es Zeit und Raum zur Reflexion der eigenen Bindungs- und Beziehungserfahrungen, damit die Erinnerung eine Chance bekommen kann, um positive Energien freizusetzen und zwar unabhängig davon, ob sie von Groll oder Dankbarkeit geprägt sind. Letztlich geht es immer um das bestmögliche Wohlbefinden der jeweiligen individuellen Persönlichkeiten einer Familie und nicht um ein „Projekt“ eines Beteiligten für jemand anderen.

 

Literaturtipps:

Daphne de Marneffe, Die Lust Mutter zu sein, München 2005

Ann Pleshette Murphy, Mutige Mütter, München 2005

Jesper Juul, Was Familien Trägt. Werte in Erziehung und Partnerschaft, München 2006

Daniel N. Stern, Nadia Bruschweiler-Stern, Geburt einer Mutter. Die Erfahrung, die das Leben einer Frau für immer verändert, München 2003

 

Autor: Mag. Gabriele Peinbauer-Berger




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PDF Nur_zu_Hause_und_trotzdem_ueberfordert-schwangerschaft.pdf [111,80 kB]

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