
Dass Laufwagerln Kindern beim Gehen lernen helfen, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Denn die auch als Babywalker oder Lauflernschule bezeichneten Geräte sind keine Lauflernhilfen – im Gegenteil: Laufwagerln schaden mehr, als sie den Kleinen nützen. Hunderte Kleinkinder müssen jährlich im Krankenhaus behandelt werden, weil sie sich durch Stürze mit den vermeintlichen Hilfen verletzen. Viele Eltern vermuten ihre Sprösslinge im Laufwagerl sicher aufgehoben. Spielbrett, Figuren und Rassel lassen Aufsichtspersonen vermuten, dass sich die Kleinen auch unbeaufsichtigt einige Zeit selbst beschäftigen können. Durch die Räder am Plastikgestell erreichen Kinder aber schnell gefährliche Stellen im Haus, wie Türschwellen oder Treppenabsätze. Hier liegt die größte Gefahr: Stürze über Stiegen zählen zu den schwersten Unfällen von Kleinkindern mit Laufwagerln. Ernsthafte Verletzungen gibt es auch, wenn der Sprössling gegen Tisch- oder Regalkanten sowie offene Fensterflügel fährt. Bei Geschwindigkeiten bis zu 10km/h, die mit dem Laufwagerl kurzfristig erreicht werden können, sind derartige Stürze und Kollisionen fatal: Schwere Kopfverletzungen sind eine häufige Folge.
Die irreführende und von Herstellern oft genutzte Bezeichnung „Lauflernhilfe“ lässt Eltern glauben, dass ihr Kind mit dem Gerät schneller und einfacher Laufen lernt. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall – anstatt sie zu fördern, verlangsamen Laufwagerln bei Babys die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten. Sie verhindern, dass Kinder lernen, selbstständig mit ihrem Körpergewicht umzugehen – die Balance zu halten wird deutlich verzögert. Bei zu langem Aufenthalt in den Geräten besteht sogar die Gefahr von orthopädischen Schäden. Deutlich besser für die Entwicklung von Gehen und Laufen ist Bewegungsspielzeug zum Schieben, wie z.B. Rutschautos, Schaukeltiere oder Puppenwagen, an denen sich die Kinder abstützen und aufrichten können. Durch das vor sich Herschieben finden sie Halt beim Gehen – die ersten Schritte werden so auf viel sicherere Weise unterstützt. Denn das Kind steht oder sitzt mit diesen Spielsachen frei, es ist nicht in einem Sitz, wie in den Laufwagerln und lernt so besser die Balance zu halten.
Aufgrund des hohen Verletzungsrisikos und der Gefahr einer Entwicklungsverzögerung wird dringend von Laufwagerln, Babywalkern, Lauflernschulen oder ähnlichen Geräten abgeraten.
Autor: MMag. Ursula Messner
Laufwagerl_sind_keine_Lauflernhilfen-schwangerschaft.pdf [108,60 kB]
Krabbelschuhe, Babyschuhe und Lauflernschuhe
Entwicklung Baby Monat 10
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