
Die Eröffnungswehen dauern von Wehenbeginn, also wenn der Muttermund erst gering geöffnet ist, bis zu dessen Öffnung von etwa sieben bis acht Zentimetern. Die Hebammen teilen am Ende der Eröffnungsphase bei der vaginalen Untersuchung oft mit: »Jetzt ist der Muttermund bis auf einen Saum vollständig.« Diese Phase der Geburt dauert individuell unterschiedlich lange und ist unter anderem von der Geburtsleitung abhängig. Bei einem natürlichen Geburtsverlauf ist es möglich, dass von den ersten regelmäßigen Wehen bis zum fast vollständig eröffneten Muttermund bis zu 24 Stunden und mehr vergehen.
Selbstverständlich kann dieser Geburtsabschnitt auch in vier Stunden vorüber sein. Manche Eltern beginnen das Zählen der Stunden bei den ersten leichten Wehenanzeichen, schlafen dabei aber wieder eine Nacht recht gut und erzählen dann, dass es drei Tage gedauert hat, bis das Kind geboren war. Es gibt auch ganz andere Geburtsberichte …
… »Hast du gehört, Anita hat einen Sohn geboren; es hat nur eineinhalb Stunden gedauert, hat ihr Mann erzählt. Als es richtig losgegangen ist, war das Kind mit drei Wehen geboren. Das freut mich für Anita, dass es so schnell gegangen ist.« Bei solchen Erzählungen kann ich dann nur schmunzeln, oft habe ich die Vorgeschichte selbst mitbekommen, sei es telefonisch oder durch einen Hausbesuch. So war es auch bei dieser Geburt. Sicherlich hat der Vater vergessen zu erzählen, dass seine Frau schon einige Tage vor der Geburt jeden Abend regelmäßige mittelkräftige Wehen hatte, dass sie am Tag der Geburt ständig Wehen im Abstand von zehn Minuten hatte, diese jedoch nicht die richtige Effektivität erreichten. Mit einem kleinen Geheimtipp von mir traten die Wehen endlich am Abend in kürzeren Abständen auf und nahmen an Kraft zu. Bestimmt hat die Freundin bei der telefonischen Nachricht des glücklichen Vaters überhört, dass es von der Abfahrt zu Hause bis zur Geburt nur diese eineinhalb Stunden gedauert hat.
Interessant ist für mich immer wieder, dass Männer den eigentlichen »Startschuss« der Geburt erst bei den beginnenden Presswehen registrieren. Das liegt wohl in der Natur der Dinge, dass Männer nicht nachempfinden können, was ihre Frauen erleben, wenn sie stundenlang ihre Wehen beatmen. In den Augen der Männer ist da halt noch »nichts los«. Erst mit beginnender Presswehenarbeit, die bei vielen Geburten sichtbar anstrengend und kraftvoll verläuft, ist für einen Mann »Action« angezeigt und somit die Geburtssituation nachvollziehbar. Alles andere, das Warten, das Wehenverarbeiten, das geduldige Hoffen und Bangen ist halt »Frauengeplänkel«.
Mit dieser Geschichte möchte ich deutlich machen, dass Geburtsberichte immer mit Vorsicht zu genießen sind, dass eine werdende Mutter, die eine realistische Darstellung über die Geburtsdauer hören möchte, doch besser mit der Wöchnerin selber spricht. Wir Frauen müssen immer wieder der Tatsache ins Auge blicken, dass Männer eine Geburt anders sehen, fühlen und nachempfinden, als wir Mütter.
Autor: Ingeborg Stadelmann
Eroeffnungswehen_bei_einer_Geburt-schwangerschaft.pdf [110,30 kB]
Die Frau in der Übergangsphase
Austreibungsphase einer Geburt
Schmerzfreie Geburt
|
Abenteuer Elternschaft Das MammaMia Projekt aus Salzburg! Sie finden in diesem Buch zahlreiche Erlebnisberichte darüber, wie Eltern die Geburt und das erste Lebensjahr ihrer Kinder empfunden haben. Den Autorinnen und Autoren sei Dank, dass Sie hier nicht nur Wonne-Waschtrog-Geschichten finden, sondern Realität und Leben pur! Genießen Sie jede Zeile!
Mehr zu dieser Empfehlung
|