
Das kleine Mädchen schleicht mit zuckersüßer Miene um das tolle Legobauwerkes ihres Bruders, der sich doch solche Mühe gegeben hat. Soll ich oder soll ich nicht? – diese Frage steht dem kleinen Mädchen deutlich ins Gesicht geschrieben. Darf ich mal gucken? Fragt sie vorsichtig und höflich. Nein, darfst du nicht, murrt der viel beschäftigte Bruder. Daraus entsteht eine Diskussion, diese Diskussion eskaliert, bis das kleine Mädchen mit dem Fuß ausholt und dem tollen Legobauwerk einen Hieb verpasst und im nächsten Moment ist alles kaputt. Diese oder ähnliche Szenen kennen alle Eltern, die mehr als ein Kind haben. Es kann der / die Bravste nicht in Frieden leben, wenn es der bösen Schwester oder dem bösen Bruder nicht gefällt. Und Frieden ist ja auch wirklich doof, Zoff ist viel spannender.
Dass Kinder sehr unterschiedlich sein können, mussten schon Adam und Eva erkennen. Nun endet es natürlich nicht immer mit Mord und Totschlag, wenn sich Geschwister nicht ähnlich sind. Doch für die verzweifelten Eltern ist das nur ein geringer Trost. Kein Kind ist wie das andere und eine Garantie für Harmonie ist auch die Ähnlichkeit nicht. Gestritten wird über alles Mögliche: wer den Fernseher an- und ausschalten darf, wer zuerst die Stiege hinauf- oder hinabsteigt, wer morgens als erster im Bad ist und schließlich, wer bei Mami und Papi besser punkten kann. Kein Anlass ist zu banal, als dass es sich nicht darüber zu streiten lohnt.
Aber warum wird eigentlich immer erwartet, dass Geschwisterkinder von Anfang an Freunde sind? Geschwister sind zunächst einmal eine „Zwangsgemeinschaft“ – keiner hat sich den anderen ausgesucht und doch müssen sie miteinander leben. Schon von Anfang an sind sie auf Konfrontationen aus, dass das so ist, daran können Eltern herzlich wenig ändern. Aus dem Baby, das noch als lästiger Eindringling bezeichnet werden konnte, ist mit den Jahren ein handfester Widersacher geworden. Alter, Größe und Kraft gleichzusetzen mit Weisheit, Macht und Dominanz wäre dabei falsch. Wenn man genauer hinsieht, so ist das Leben unter Geschwistern sicherlich kein Zuckerschlecken – sie haben ja nicht einmal die Gelegenheit ihre eigenen Wege zu gehen. Vorsicht, Zurückhaltung und Anteilnahme – das ist Ihr Part und der Part Ihres Mannes / Freundes in solchen Situationen.
Fazit: Sie müssen in die Situation hineinwachsen und so viel Feingefühl haben, sodass Sie wissen, wann Sie sich einmischen sollen und wann nicht. Und im Endeffekt ist es ja doch noch immer so, dass Geschwister zusammenhalten – aber leider nicht immer dann, wenn Eltern sich das wünschen.
Autor: Redaktion / Katrin
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