Experten-Interview: „Essen und Trinken in der Schwangerschaft“

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Experten-Interview: „Essen und Trinken in der Schwangerschaft“

„Das Leben des ungeborenen Kindes ist es wert, kein Ernährungs-Risiko einzugehen!“

Eis, Rohmilch & Co: Was dürfen Schwangere essen, und wovon sollen sie eher die Finger lassen? Und wie können sie den erhöhten Nährstoffbedarf gesund abdecken? Wir haben bei   Dr. Claudia Nichterl, Ernährungswissenschafterin, Fachbuch-Autorin und Inhaberin der Plattform Essenz, nachgefragt.

BabyExpress: Schwangere Frauen haben einen erhöhten Nährstoffbedarf. Was empfehlen Sie, um diesen Bedarf zu decken?

Dr. Claudia Nichterl: Früher wurde das auf einfache Art gelöst: „Essen für zwei“ lautete die Devise. So ganz stimmt das heute nicht mehr. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Energiezulage von 300 kcal pro Tag, ab dem vierten Monat. In der Praxis müssen allerdings auch andere Faktoren berücksichtigt werden, wie das Ausgangsgewicht der Mutter, weil generell gilt: Niedriges Körpergewicht bedeutet meist auch geringeres Geburtsgewicht. Eine Gewichtszunahme von 8-10 kg während der Schwangerschaft ist dann

adäquat. Wenn das Ausgangsgewicht der Mutter aber hoch ist, sollte die Energiezulage eher mäßiger ausfallen, weil sonst die Gefahr von Übergewicht besteht. Besonders wichtig ist es, auf eine ausgewogene Nährstoff-Zusammensetzung zu achten.

BabyExpress: Welche Vitamine und Nährstoffe benötigen schwangere Frauen verstärkt?

 

 

Dr. Claudia Nichterl: Trotz eines Überangebots an Nahrung gibt es auch heute noch zwei kritische Nährstoffe in der Schwangerschaft: Die Folsäure – der Bedarf ist in der Schwangerschaft doppelt so hoch. Im Bevölkerungsdurchschnitt besteht auch ohne Schwangerschaft eine Unterversorgung an Folsäure, es empfiehlt sich hier eine ärztlich verordnete Nahrungsergänzung. Folsäure enthalten Gemüse wie Spinat, Vogerlsalat, Tomaten, Bohnen, Eier und Nüsse. Ein Zweiter wichtiger Nährstoff ist Kalzium. Das ist besonders reichlich in Hartkäse, wie zum Beispiel gut gereiftem Parmesan oder Emmentaler, in Gemüse wie Brokkoli, Lauch, Fenchel, Spinat, Grünkohl, in grünen Kräutern wie Basilikum, Petersilie, Kresse, Kerbel enthalten. Besonders reich an Kalzium sind auch Mohn, Sesam, Mandeln und Haselnüsse.

BabyExpress: Roher Fisch, offenes Eis, etc. können das Ungeborene gefährden. Was raten Sie Schwangeren diesbezüglich?

Dr. Claudia Nichterl: Auf rohes Fleisch, rohe Eier sowie auf Rohmilch-Produkte sollte in der Schwangerschaft, wegen der Gefahr einer Toxoplasmose- oder Listeriose-Infektion verzichtet werden. Das heißt: Fleisch generell gut durchbraten, es soll nicht blutig sein. Ebenso bei rohem Fisch oder anderen Produkten, die möglicherweise hygienisch nicht einwandfrei sind, erhöhte Aufmerksamkeit walten lassen. Das Leben Ihres Kindes ist wert, hier kein Risiko einzugehen!

 

Autor: BabyExpress

Fotocredit: Africa Studio/Shutterstock.com

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