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Medikamente während der Schwangerschaft

Die unkontrollierte Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft, kann ein Risiko für den Fötus darstellen. BabyExpress hat bei einer Top-Expertin nachgefragt, welche Medikamente auch werdende Mamis nehmen dürfen – und von welchen Pillen sie auf jeden Fall die Finger lassen sollten.

 

BabyExpress: Welche Medikamente können Schwangere ohne Bedenken einnehmen, von welchen sollten sie eher die Finger lassen?

 

Dr. Gerlinde Akmanlar-Hirscher: Medikamente in der Schwangerschaft sind jedenfalls kritisch zu bewerten, auch dem Laien als „harmlos“ erscheinende Präparate können in der Schwangerschaft ungünstig sein.

 

Welche Grundregeln gibt es für den Medikamentengebrauch in der Schwangerschaft?

 

In der Apotheke und natürlich bei ihrem Arzt sollte jede Schwangere genau angeben, in welcher Schwangerschaftswoche sie sich befindet – und zwar vom positiven Schwangerschaftstest, beziehungsweise dem Verdacht auf eine Schwangerschaft an. Grundsätzlich sollte Mono-Präparaten – also Medikamenten mit nur einem Wirkstoff – der Vorzug vor Kombinationspräparaten gegeben werden. Manche Vitamin-Präparate sind in der Schwangerschaft auch ausdrücklich empfohlen. Beispiel: Die Folsäure-Einnahme in den ersten Monaten. Übrigens sind auch üblicherweise als „harmlos“ eingestufte homöopathische Tropfen aufgrund ihres Alkoholgehaltes nicht unbegrenzt anwendbar. Auch manche  „alltäglichen“ Medikamente, wie zum Beispiel Aspirin, sollten während der Schwangerschaft keine Medikamente „erster Wahl“ sein. Auch laufende „Dauermedikamente“ sind bei einer Schwangerschaft natürlich zu prüfen, beziehungsweise anzupassen. Auf wichtige Medikamente, wie Antiepileptika oder Blutdruckmedikamente, muss und soll aber auch in der Schwangerschaft nicht verzichtet werden! Grundsätzlich gilt: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker! Und beim Griff in die Hausapotheke ist besondere Vorsicht angesagt. Ersetzen Sie im Zweifelsfall Medikamente aus der Zeit vor der Schwangerschaft, in Absprache mit Ihrem Arzt, am besten durch „frische“, Schwangerschafts-geeignete Medikamente.

 

Welche Schmerzmittel können Schwangere bei starken Kopfschmerzen bedenkenlos einnehmen?

 

Grundsätzlich sind Mono-Präparate analgetischen Mischpräparaten vorzuziehen. Kopfschmerzen können ein Warnsignal für eine ernstere Störung sein und sollten deshalb jedenfalls ärztlich untersucht, eingeschätzt und behandelt werden. Bei Migräne kann auch  einmal eine komplementärmedizinische Methode, wie Akupunktur, schmerzstillende Arzneimittel ersetzen.

 

Wie sollen Schwangere Fieber, Husten & Co auskurieren?

 

Auch in der Schwangerschaft sind herkömmliche grippale Infekte nicht anders zu behandeln, als im nicht schwangeren Zustand: körperliche Schonung, eventuell auch Bettruhe, viel schlafen, ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Also Tee trinken am Sofa… Zusätzlich können homöopathische und pflanzliche Mittel zur Behandlung von Begleiterscheinungen der Krankheit eingenommen werden. Bei Trockenheit im Halsbereich empfehle ich zum Beispiel Halset-Lutschtabletten oder Emser-Pastillen, bei zähem Schleim Prospan-Tropfen. Bei Tropfen ist allerdings zu beachten, dass es sich eventuell um alkoholische Lösungen handeln

kann – deshalb ist Vorsicht bezüglich der einzunehmenden Menge geboten. Bei starkem Husten, auch nachts, ist neben den herkömmlichen, teilweise nicht verschreibungspflichtigen Hustensäften, auch schon mal ein Codein-hältiger Hustensaft in der Schwangerschaft erlaubt – dafür ist aber auf jeden Fall eine ärztliche Kontrolle mit klinischer Untersuchung, Abhorchen und Rezept-Verschreibung nötig. Auch bei über zwei bis drei Tage hinausgehenden Krankheitszuständen sollte der Hausarzt kontaktiert werden, jedenfalls, wenn Fieber über diese Zeit hinaus besteht.

 

Welche Medikamente sollten Schwangere auf keinen Fall einnehmen?

 

Manche in Medikamenten enthaltene Stoffe bewirken durch ihre Einnahme in der Schwangerschaft und sogar noch einige Zeit nach dem Absetzen mit hoher Wahrscheinlichkeit spezifische Entwicklungsstörungen beim Ungeborenen. Dazu gehören Thalidomid (war zum Beispiel enthalten in Contergan – nicht mehr am Markt), Retinoide (z.B. Roaccutan – wird z.B. bei Akne eingesetzt) sowie die Kombinationstherapie bei schwerer Epilepsie. Für einige andere Medikamente sind erhöhte Fehlbildungsraten bekannt, die aber meistens deutlich unter 10% liegen. Dazu gehören z.B. Tetrazykline (Antibiotikum), Cumarinderivate (Medikament zur Blutverdünnung), hochdosiert Vit A3 (Akne-Therapie), manche Anti-Epileptika (bei Anfallsleiden), ACE-Hemmstoffe (Blutdruckmittel) und Stoffe wie polychlorierte Biphenyle, Lithium und ionisierende Strahlen.

 

Autor: BabyExpress

Fotocredit: gpointstudio/Shutterstock.com

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