Stammzellen aus der Nabelschnur

Wenn Ihr Baby geboren ist, werden Sie erstmals die etwa 60 Zentimeter lange, zu einer Spirale gedrehte Nabelschnur sehen, in der noch das Blut des Kindes pulsiert. Früher wurde die Nabelschnur den Hunden zum Fraß vorgeworfen – heute gilt sie nicht nur unter Wissenschaftlern als Kostbarkeit und kann durchaus auch lebensrettend sein.

 

Stammzellen aus Nabelschnurblut weisen ein hohes, medizinisches verwertbares Potenzial auf. Bei einem Großteil der jährlich 70.000 Geburten in Österreich wird die Nabelschnur nach der Abnabelung immer noch einfach entsorgt und geht somit als wichtige Quelle für Stammzellen-Therapien verloren. Das Blut, das nach der Entbindung in der Nabelschnur zurückbleibt, enthält eine medizinische Besonderheit: die sogenannten Stammzellen. Stammzellen sind Zellen, deren genaue Bestimmung noch nicht codiert ist. Aus ihnen können sich alle Körperteile entwickeln, Muskeln, Nerven oder Knochen. Stammzellen aus dem Nabelschnurblut können bei der Therapie schwerer Krankheiten eingesetzt werden. Unmittelbar nach der Entbindung besteht die Möglichkeit, das Blut aus der Nabelschnur aufzufangen und für den Fall einfrieren zu lassen, dass Ihr Kleines diese Zellen irgendwann einmal aus therapeutischen Gründen brauchen kann.

 

Verfolgt man die neuesten Erkenntnisse aus der medizinischen Forschung, eröffnen Stammzell-Therapien aus Nabelschnurblut, neben den heutigen Anwendungen, völlig neue Perspektiven. So soll körpereigenes Nabelschnurblut schon bald in der Praxis bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen – wie beispielsweise chronische Gelenkserkrankungen – und zur Reparatur geschädigter Organe vorteilhaft eingesetzt werden können. Weiter hat sich auch herausgestellt, dass junge Stammzellen altersgeschädigtes Gewebe wieder aktivieren können. So könnten künftig auch Erkrankungen der Nerven und Gefäße von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut profitieren. Es gibt die Möglichkeit, Nabelschnurblut in privaten und in öffentlichen Spenderbanken einzulagern.

 

Wichtige Informationen zu diesem Thema sind auch in der Broschüre „Einfrieren von Nabelschnurblut – notwendig oder überflüssig? des Ministeriums für Gesundheit zusammengestellt. Diese erhalten Sie kostenlos unter +43 (0)1/711 00-4700.

 

Private Einlagerung der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut

Dort gelagerte Stammzellen gehören lebenslang dem Kind, im Gegensatz zu einer Einlagerung in einer öffentlichen Spenderbank. In Österreich ist seit 2001 eine private Stammzelleinlagerung im Grazer Stammzellenzentrum EccoCell möglich. Bereits 6.000 Nabelschnurbluteinheiten lagern in dem, nach dem Arzneimittelgesetz genehmigten, Institut. Auch die Firma Lifecord in Graz bietet die Möglichkeit einer solchen privaten Einlagerung. Der Kostenpunkt liegt in Österreich bei ca. € 1.600,– bei sofortiger Zahlung, nach Erhalt des Vertrages.

 

Öffentliche Spenderbank für die Einlagerung der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut

Öffentliche oder gemeinnützige Nabelschnurblutbanken gibt es in Österreich keine. In Deutschlang finden Sie öffentliche Spenderbanken in Dresden, Düsseldorf, Freiburg, Mannheim und München vor. Diese Nabelschnurbanken arbeiten nur mit einigen Entbindungskliniken zusammen und sind aus logistischen Gründen meist nicht in der Lage, das Nabelschnurblut von weiter her – also von Österreich, herzutransportieren. Das dort eingelagerte Nabelschnurblut wird in einer Spenderdatenbank erfasst und bei Bedarf weltweit zur Verfügung gestellt. Wie der Name Spenderbank schon suggeriert, spendet man das Nabelschnurblut des eigenen Kindes. Dies kostet Sie nichts. Allerdings gibt es auch keinerlei Anspruch darauf, das eigene eingelagerte Blut im Bedarfsfall von dort zurückzuerhalten.

 

Autor: Redaktion / Katrin

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