geburt und wehen

Geburt und Wehen

Geburt und Wehen sind zwei Begriffe, die eigentlich für jeden zusammen gehören. Doch was einen dann erwarten wird, weiß keiner so genau und leider gibt es darauf auch keine wirkliche Antwort. Vergleichen kann man eine Geburt und Wehen in etwa mit einer Bergbesteigung. Sie können einen an die Grenzen der körperlichen, und auch seelischen, Belastbarkeit bringen, aber wenn man es erst geschafft hat, am Gipfel steht bzw. sein Kind in Händen hält, fehlen jegliche Worte um den Moment zu beschreiben!

Wehen

Grundsätzlich sind Wehen Kontraktionen des Muskels „Gebärmutter“, die über das Hormon Oxytocin gesteuert werden und nicht nur zur Geburt auftreten, sondern auch schon davor sowie danach.

Hierzu erstmal ein paar Grundbegriffe und Unterschiede.

Wehenarten

Schwangerschaftswehen

Ein gewisses Maß an Wehen in der Schwangerschaft ist ganz normal und natürlich, ja sogar notwendig, denn die Gebärmutter muss in mehrerlei Hinsicht auf die Geburt vorbereitet werden. Hier unterscheidet man zwei Arten:

1. Alvarez-Wellen: Dies sind viele aber leichte Kontraktionen, die während der gesamten Schwangerschaft auftreten, aber in der Regel nicht wahrgenommen werden. Sie dienen der besseren Durchblutung und fördern das Wachstum der Gebärmutter.

2. Vor- und Senkwehen, auch Braxton-Hicks-Wehen: Um den Muskel „Gebärmutter“ zu trainieren macht der Körper immer wieder mal „Übungswehen“, die man in der Schwangerschaft meist als kurzes Hartwerden des Bauches wahrnimmt. In Verbindung mit körperlicher Anstrengung oder auch einem Wachstumsschub des Babys können sie häufiger auftreten, lassen sich jedoch durch Ruhe und Wärme zumeist wieder beruhigen. Zur Geburt hin werden sie häufiger und nehmen an Intensität zu, dabei können sie auch für einige Tage recht regelmäßig fast alle zehn Minuten sein, was dann sehr anstrengend, ermüdend und zermürbend ist.

Eröffnungswehen

Von Eröffnungswehen spricht die Hebamme und der Geburtshelfer dann, wenn die Kontraktionen auf den Muttermund wirken – ihn öffnen. Dies kann sich über Stunden hin ziehen, wobei meist die ersten Zentimeter langsamer aufgehen. Für die werdenden Eltern ist hier die Abgrenzung zu den Vorwehen oft schwierig, da äußerlich nichts zu sehen ist. Als kleiner Anhaltspunkt gilt: Eröffnungswehen werden durch Wärme (z.B. in der Badewanne oder eine Wärmflasche auf den Bauch gelegt) und Ruhe nicht weniger, sondern treten regelmäßig in immer kürzer werdenden Abständen auf und nehmen an Intensität zu.

Austreibungswehen

So werden die Wehen genannt, wenn der Muttermund vollständig, also auf ca. zehn Zentimeter, eröffnet ist. Mit ihnen kommt auch das Kind immer tiefer.

Presswehen

Sie heißen nicht etwa so, weil die Hebamme nun laut „Pressen!“ ruft, sondern, weil die Mutter bei Presswehen ein Pressgefühl verspürt. Dieses Gefühl des Mitdrückens und –schiebens kann auch schon recht früh auftreten, da wird die Hebamme meist dazu auffordern, über das Gefühl hinweg zu atmen oder aber zur Geburt hin die Frau beim Schieben bestärken und anfeuern.

Nachgeburtswehen

Diese Kontraktionen sind für die Geburt der Plazenta oder des Mutterkuchens notwendig, die innerhalb der nächsten Stunde nach der Geburt des Kindes erfolgt.

Nachwehen

Diese Wehen sind sehr wichtig, da sie die Blutung aus der Wunde, die die Plazenta hinterlässt, stillen und im Verlauf des Wochenbettes die Gebärmutter bei der Rückbildung unterstützen. Die meisten Frauen spüren sie beim ersten Kind kaum, aber mit jedem weiteren Kind mehr und heftiger. Auch verspürt man sie beim Stillen mehr, da hierbei auch das Wehenhormon Oxytocin ausgeschüttet wird.

Dokumentation – Das CTG

CTG steht für Cardio-Tokogramm, also Herzton- und Wehenschreiber. Es dient der Kontrolle des Kindes im Mutterleib, sowie der Aufzeichnung von Wehen. Der Wehenstempel misst allerdings nur die Bauchdeckenspannung und dabei kann es auch vorkommen, dass er mal gar nichts schreibt, obwohl die Frau eindeutig Wehen verspürt. Das CTG kann nur einen Anhaltspunkt geben, ob Wehen sind, wenn ja, wie häufig und wie lange sie dauern und wie das Kind darauf reagiert. Es sagt nichts darüber aus, wie die Wehen von der Frau empfunden werden, hat doch jede eine andere Konstitution und ein anderes Schmerzempfinden. Die Hebamme wird unter der Geburt auch immer wieder mal auf den Bauch greifen, um sich durch das Fühlen und Ertasten selbst ein Bild von den Wehen zu machen, denn so eine Berührung kann um vieles mehr übermitteln als eine Maschine.

Hilfe und Unterstützung

Wie bereits erwähnt, spielen zu Beginn der Geburt und den Wehen viele Faktoren zusammen, von denen nur wenige bekannt sind. Umso mehr Möglichkeiten gibt es zur Anregung, Unterstützung, Abhilfe und Beistand.

Wollen beispielsweise um den errechneten Termin die Wehen einfach nicht einsetzen, schwören einige auf Akupunktur, Dampfsitzbäder, geburtsvorbereitende Tees oder Aromaöle. Andere wiederum raten zu einem gemütlichen Abend mit dem Partner mit allem, was dazugehört, also einem romantischen Abendessen, wo auch ein paar wenige Schlückchen Wein erlaubt sind, vielleicht einem gemeinsamen Bad, einer wohltuenden Massage und, wenn beide Lust haben, einem anschließenden Schäferstündchen. Immer wieder taucht auch das Wort „Hebammencocktail“ zur Wehenanregung auf. Einfach mal die nachbetreuende Hebamme anrufen, wenn sonst nichts mehr hilft.

Zur Geburt können vor Schmerzmitteln und PDA (der Kreuzstich) auch einige Dinge versucht werden bzw. die Geburtsarbeit begleiten, wie beispielsweise Aromaöle, Bachblüten, Homöopathie, ein warmes Bad, eine Massage, Positionswechsel, entspannende Musik, Lachen usw. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt, da alles, was einem gut tut, helfen kann.

Zur Hilfe bei starken Nachwehen können Schüßler Salze, Homöopathie oder eben auch Schmerzmittel genommen werden. Am besten einfach die Hebamme oder den Arzt um Rat und Hilfe fragen.

Wichtig bei Geburt und Wehen im Gesamten ist die eigene Einstellung. Nie das Ziel aus den Augen verlieren, nämlich dass man bald sein Kind zum ersten Mal sieht, fühlt, hört und riecht. Und meist, wenn man glaubt, man kann nicht mehr, ist es gleich geschafft!

 

Autor: Sabrina Heiss, freiberufliche Hebamme in Tirol (Österreich)

Fotocredit: Tomsickova Tatyana/Shutterstock.com

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