pflanzliche extrakte

Pflanzliche Extrakte in der Schwangerschaft

Während Mikronährstoffe, wie Vitamine, Mineralstoffe, essentielle Fettsäuren und körpereigene Substanzen, wie z.B. Coenzym Q10, L-Carnitin oder Aminosäuren in physiologischen Dosierungen auch während der Schwangerschaft und in der Stillzeit bedenkenlos eingesetzt werden können, ist die Verwendung pflanzlicher Extrakte (mit einigen Ausnahmen) mit Vorsicht zu betrachten. Der Grund dafür ist nicht, dass die Kräuter, Extrakte und Tees für das ungeborene Kind unbedingt schädlich sind, sondern, dass es nur sehr wenige seriöse Studien zu den einzelnen Pflanzen gibt, die die Unbedenklichkeit bescheinigen.

 

Auch Kräuter und pflanzliche Extrakte in der Schwangerschaft mit Nebenwirkungen

Oft werden aber pflanzliche Präparate den Medikamenten vorgezogen (meist ohne Wissen des Arztes) in der Annahme, sie seien „natürlich“ und deshalb ohne Nebenwirkungen. Tatsache ist jedoch, dass Pflanzen oft pharmakologisch hochwirksame Stoffe enthalten, die den Inhaltsstoffen mancher Medikamente gleich kommen.

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Obwohl bei den wenigsten Pflanzen-Extrakten bisher der Einfluss der Wirkstoffe auf den Organismus der Schwangeren und des Ungeborenen untersucht wurde, gelten einige Extrakte aus der langen praktischen Erfahrung heraus als unbedenklich, wenn sie in vernünftigen Mengen verwendet werden.

 

Pflanzenextrakte, die in Schwangerschaft und Stillzeit ohne Bedenken verwendet werden können:

  •  Zur Immunsteigerung: Echinacea
    Bisher wurden keine schädigenden Effekte nachgewiesen. Es ist allerdings nicht bekannt, ob Inhaltsstoffe von Echinacea in die Muttermilch übergehen können. Für Umckaloabo liegen dagegen noch keine Studien vor. Dieses pflanzliche Medikament sollte deshalb nur nach Absprache mit dem Arzt verwendet werden.
  •  Bei Unruhe und Einschlafstörungen: Melisse, Lavendel
    Eine Verwendung führt zu Schläfrigkeit und kann die Reaktionszeiten, z.B. beim Autofahren verlängern.
  •  Blähungen: Kümmel, Anis, Fenchel
    Hier ist zu beachten, dass die entblähenden Effekte auch beim gestillten Säugling über die Muttermilch wirksam werden können. Ein übermäßiger Konsum kann den Geschmack der Muttermilch verändern. Zudem empfiehlt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung Gewürze und Kräutertees, die das ätherische Öl Estragol enthalten können (Anis, Fenchel, Estragon u.a.), nicht in größeren Mengen und über längere Zeit zu verwenden.
  •  Schwangerschaftserbrechen, Morgenübelkeit: Ingwer
    Der Einsatz von Ingwer (als Pulver oder Extrakt in Kapseln) bei milden, bis moderaten Formen des Schwangerschaftserbrechens gilt seit einigen Jahren, aufgrund von fundierten Studien als sicher für Mutter und Kind.
  •  Verstopfung, Darmträgheit: Leinsamen, Flohsamen, Weizenkleie
    Die enthaltenen Ballaststoffe sind Füll- und Quellstoffe, die das Stuhlvolumen erhöhen und dadurch die Darmperistaltik anregen. Ungeeignet sind dagegen pflanzliche Abführmittel, die auf Johannisbrot, Faulbaumrinde und Aloe basieren. Diese Pflanzen enthalten Anthrachinon-Derivate, die wegen ihrer stimulierenden Wirkung auf die Uterusmuskulatur gemieden werden sollten. Bei der Verwendung von Rizinusöl besteht die Möglichkeit, dass die Aufnahme lebensnotwendiger fettlöslicher Vitamine gestört wird.
  •  Depressive Verstimmungen, Wochenbettdepression: Johanniskraut
    Gilt als sicher, da im Tierversuch keine schädigenden Effekte beobachtet wurden. Auch in der Stillzeit anwendbar. Zwar werden geringe Mengen eines Inhaltsstoffes (des Hyperforins) auch in die Muttermilch abgegeben, beim Säugling ist der Stoff aber nicht mehr nachweisbar.
  •  Im Handel erhältliche Still-Tees mit Malvenblüten, Ringelblume, Melisse oder ähnlichem, fördern die Milchbildung und den Milchfluss. Durch Melisse wird die Ausschüttung des Hormons Prolaktin stimuliert, das die Milchproduktion steuert. Auch Gerste enthält Prolaktin-stimulierende Inhaltsstoffe, weshalb auch Bier den Milchfluss fördert. Alkohol ist aber grundsätzlich tabu in der Schwangerschaft und während der Stillzeit.
  •  Äußere Anwendung
    Anwendung von Kampfer- und Mentholhaltigen Salben ist möglich. Auch venentonisierende Extrakte (Weinlaub, Rosskastanie, etc) sind zur äußeren Anwendung erlaubt.
  • Viele Pflanzenextrakte können in der Schwangerschaft und der Stillzeit unbedenklich eingesetzt werden und sind einer medikamentösen Behandlung, mit chemischen Stoffen vorzuziehen. Im Zweifelsfall sollte aber immer zuerst der Apotheker oder Arzt befragt werden.

 

Autor: Dipl.-oec.-troph.-univ. Barbara Fäth-Neubauer

Fotocredit: kazmulka/Shutterstock.com

 

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