blasensprung

Blasensprung und Fruchtwasser

Ein sehr häufiges Zeichen des Geburtsbeginns ist ein Blasensprung, also Abgang von Fruchtwasser. Leider kann ich auch zu diesem Thema keine feste Verhaltensregel nennen. Es tut mir selbst manchmal leid, dass wir Hebammen häufig mit den Worten: eventuell, vielleicht, es könnte sein, möglich dass, usw. antworten müssen. Doch so ist es eben in der Natur, es gibt keine klaren Regeln, denen eine Frau folgen könnte. Da eine Geburt ein Naturereignis darstellt, keine Krankheit und kein alltägliches Geschehen ist, kann auch nicht erwartet werden, dass sie wie ein technisch überprüfbarer Mechanismus, in streng festgelegter Reihenfolge, ablaufen wird. Wann immer wir Menschen mit Naturereignissen konfrontiert werden, müssen wir uns auf Überraschungen und völlig neue Situationen einstellen, was ein hohes Maß an Flexibilität erfordert, aber auch Lebendigkeit spüren lässt.

 

Das unvorhersehbare Ereignis – Abgang von Fruchtwasser

Fruchtwasserabgang ist ein völlig unvorhersehbares Ereignis, es tritt ohne jede Vorankündigung ein. Manche Frauen meinen, einen kleinen Knack in ihrem Bauch gespürt zu haben, und schon läuft Flüssigkeit aus. Die Schwangere weiß also nie, wann und zu welchem Zeitpunkt sie mit einem Blasensprung rechnen muss, sie kann sich nicht darauf vorbereiten.

 

Ein Blasensprung kann auf verschiedene Arten eintreten:

Es ist möglich, dass das Fruchtwasser bereits einige Wochen vor Geburtsbeginn abgeht, dann ist ohne jedes Zögern und Zweifeln die Fahrt in das nächstgelegene Krankenhaus anzutreten. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, egal, ob mit oder ohne Wehentätigkeit.

 

Ein Blasensprung kann am Geburtstermin vor dem Beginn jeglicher Wehentätigkeit stattfinden und somit also das Startsignal für die anstehende Geburt des Kindes darstellen. Die Gebärmutter reagiert dann meistens innerhalb von einigen Stunden mit Wehenbeginn.

 

In solchen Situationen kommt immer wieder die besorgte Frage auf: »Wenn jetzt keine Wehen da sind und ständig Fruchtwasser abgeht, dann liegt doch das Kind im Trockenen, oder?« Doch ich kann alle werdenden Eltern beruhigen, dass der Natur auch hier kein Fehler unterlaufen ist. Das Fruchtwasser wird von den Eihäuten sowie den kindlichen Nieren produziert. Am Ende der Schwangerschaft wird innerhalb einer Stunde 30% des gesamten Wassers erneuert sowie zweistündlich die gesamte Fruchtwassermenge zwischen Mutter und Kind ausgetauscht. Auch wenn Fruchtwasser abfließt, wird ständig neues nachgebildet. Das Kind liegt also bestimmt nicht im Trockenen.

 

Autor: Ingeborg Stadelmann

Fotocredit: apichart sripa/Shutterstock.com

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